Fokus auf Kosteneffizienz, Technologieoffenheit und Stabilität
Vorsitzender des Energieberatendenverbands GIH, erklärt dazu:
„Die aktuellen Schritte hin zu einer kosteneffizienten Energiewende und die Förderung von „Low Hanging Fruits“ befürworten wir, um den Fokus auf den Klimaschutz weiter voranzubringen. Maßnahmen wie Dämmung, Heizungsoptimierung und Wärmepumpen bieten großes Potenzial, um CO2-Emissionen zu senken – bis zu 50 Prozent Einsparung auch beim Ersatz alter Heizkessel. Investitionen in die Gebäudehülle und neue, regenerative Heiztechnologien leisten darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag zur Senkung von Netzausbau- und Kraftwerkskosten.
Skeptisch sehen wir die Ankündigung der CDU/CSU das Heizungsgesetz rückgängig machen zu wollen, da dies zu massiver Verunsicherung aller Akteure – Bevölkerung, Handwerk, Industrie und Energieberatende – führen würde. Eine Abkehr von der Verpflichtung zu mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien im Heizbereich ist daher unbedingt zu vermeiden. Die Aufweichung der Verpflichtung von Versorgern, Wasserstoffanschlüsse bei Einbau einer Gasheizung zu garantieren und die Einführung von Grüngasquoten im Gasnetz, schätzen wir als absolut kontraproduktiv ein. Dies würde zum Einbau zahlreicher Gasheizungen führen, die heute bereits durch effizientere Wärmepumpen ersetzt werden konnten. Weiter würden die Verbraucher einem großen Kostenrisiko ausgesetzt werden, da Biogase bisher nur sehr teuer hergestellt werden können und nicht absehbar preiswerter werden.
Die Stärkung der Geothermie ist ein positiver Schritt, sich im Bereich der Erneuerbaren breiter aufzustellen, weswegen wir die Erhöhung der förderfähigen Kosten für Erdwärmepumpen in der Bundesförderung (BEG) fordern. Auch einen vereinfachten Zugang für Biomasseheizungsförderung sehen wir positiv, wenn er auf die verfügbare nachhaltige Biomasse begrenzt bleibt.
Entscheidend bleibt am Ende eine stabile gesetzliche Grundlage: Wir appellieren an die Politik, die Energiewende langfristig und verlässlich zu gestalten und nicht mit jeder neuen Regierung in Frage zu stellen. Nur so ist es auch den Energieberatenden möglich, verlässliche und planbare Arbeit gegenüber dem Kunden zu leisten und gemeinsam die CO2-Emissionen im Gebäudesektor langfristig zu senken.“
Energiewende hängt in der Bürokratiefalle
Stefan Bolln, Vorsitzender des Energieberatendenverbands GIH, sieht eine gigantische Verunsicherung der Verbraucher:innen beim Gebäudeenergiegesetz (GEG). „Die Politik will so viel Geld ausgeben, um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen, aber der Prozess hängt in der Bürokratiefalle, weil sich viele Anträge unbearbeitet bei den Behörden stauen.“ Man müsse ohnehin schon sehr Komplexes nicht unnötig komplizierter machen. Viele der Verbraucher:innen denken immernoch, man wolle ihnen ihre Gasheizung wegnehmen. „Deshalb müssen wir zunächst Ruhe in die Diskussion hineinbringen und aufklären.“ An sich sei das GEG gut gemacht, aber „beim Thema Energieeffizienz hätte ich mir mehr Rückenwind gewünscht!“ Was nütze es, eine gute und sinnvolle Wärmepumpe einzubauen, wenn die erzeugte Wärme wieder zum undichten Fenster herausgeblasen wird. Auch bei vielen der sehr engagierten Energieberatenden habe sich angesichts des verwässerten GEG Ernüchterung breit gemacht. „Nach dem Stillstand müssen wir unsere 14.000 Energieexpert:innen in Deutschland erst wieder motivieren, loszulaufen“, so Bolln.
Auf dem Bundeskongress diskutierten Teilnehmende, Fachreferent:innen und Politiker engagiert die aktuellen Themen rund um die Gebäudeenergie. Stefan Wenzel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMWK, sieht das Erreichen der Klimaziele als noch möglich an: „So verrückt das ist: der wahnsinnige Krieg [in der Ukraine] hat dem Klimaschutz einen gewaltigen Schub gegeben.“ Für die aufgeheizte Stimmung rund um die Novelle des GEG machte der Grünen-Politiker auch Russland verantwortlich. Es habe eine gezielte Beeinflussung der Öffentlichen Meinung aus Russland gegeben. Da werde mit Halb- und Unwahrheiten Angst geschürt. So solle Deutschland destabilisiert werden. Für ihn sei nun der CO2-Preis das wichtigste Steuerungselement für die Energiewende.
GEG soll auch in kommender Legislaturperiode bestehen bleiben
Bei dieser Frage stimmte ihm Thomas Heilmann, Vorsitzender der KlimaUnion, zu. Er betonte auch, dass kein Klimapolitiker der CDU dafür sei, das GEG abzuschaffen, sondern lediglich Detailveränderungen angestrebt werden, wie z.B. das Verbot sehr alter und ineffizienter Ölheizungen. Christian Noll, Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz, findet, die Politik mache es sich oft zu einfach. Die hohen Energiepreise führten zu einem großen Investitionsstau. „Wir brauchen ein Ultra-Sofortprogramm, wenn wir das hinbekommen wollen!“ Die Energieberatenden litten daran, dass Förderanträge nicht bearbeitet und Gelder nicht freigegeben würden. Man brauche stärkere Instrumente als bisher, man müsse die schlechtesten Gebäude zuerst sanieren, das habe in kurzer Zeit den größten Effekt.
Bei allen Herausforderungen und Hindernissen war spürbar, dass die rund 270 Kongressteilnehmer:innen und Delegierten nach vorne schauen und weiter am Erreichen der Klimaziele im Gebäudesektor arbeiten wollen.
Ernsthafter Klimaschutz sieht anders aus
Die Regierung zahlt anscheinend lieber die Strafen an die EU für Nichterreichung der Ziele, zu denen man sich verpflichtet hat, als unseren verantwortungsvollen Beitrag in der Welt zu leisten, damit auch künftige Generationen gut in Deutschland leben können. Schon jetzt sind die Folgen von Hochwasser, Dürre und Starkregen so groß, dass Menschen, Tiere und Gebäude mit umfassenden Maßnahmen geschützt werden müssen. Am Ende zahlen wir also doppelt – sowohl für Klimaschäden als auch für nicht-eingehaltene EU-Richtlinien.
Wenn die Unverbindlichkeit das Einzige ist, was der Regierung einfällt, weil Ziele als nicht finanzierbar angesehen werden, dann sollte man doch lieber die Verbindlichkeiten realistischer setzen als sie ganz aufzugeben. Technisch sind diese Ziele bereits heute erreichbar. Das Solarpaket und das Heizungsgesetz sind somit nur ein schwacher Trost in einem politischen Kompromiss der verbindlichen Zielerreichung in den Sektoren.
Für den Gebäudesektor bedeutet das ein Ergebnis außer Reichweite, da die Verantwortung ungeniert an Regierungspartner weitergeschoben werden kann. Die Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) und Maßnahmen zur Einhaltung der Energieeffizienzrichtlinie gehören noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt, um den Gebäudesektor wieder auf Kurs zu bringen.
Der Eilantrag der CDU zur Verschiebung der Abstimmung hätte sicherlich dazu beitragen können, noch bessere Lösungen zu finden.


